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Im November 2014 reiste unser Projektleiter Dr. Ralf Mütterlein nach Santa Cruz um dort die soeben fertig gestellten Umbauarbeiten im Centro II in Augenschein zu nehmen und die Planungen für die nahe Zukunft zu machen. Lesen Sie hierzu seinen Bericht.

Meine Reise nach Santa Cruz/Bolivien vom 29.10.2014 bis 15.11.2014

Reisebericht Bolivien 2014

Nach über 30 Stunden Flug und zwei Zwischenstopps lande ich in Santa Cruz. Die Stadt empfängt mich mit einer heißen und feuchten Hitze, an die ich mich nach dem nasskalten Wetter in München erst gewöhnen muss. Alle zwei Jahre komme ich hier her. Und trotz der strapaziösen Reise ist es immer wieder ein Erlebnis.

Mein Kollege Dr. Gunther Loytved und ich betreuen das Kuratoriumsprojekt in Santa Cruz gemeinsam. Und da wir beide beruflich stark eingespannt sind, wechseln wir uns mit den Reisen ab. Santa Cruz liegt im südöstlichen Bolivien, ca. 550 km östlich von La Paz und ist mit über 1,6 Mio. Einwohner die größte Stadt des Landes.

Santa Cruz hat in den letzten Jahren eine gewaltige Entwicklung durchgemacht. Es wurden unzählige neue Hochhäuser gebaut. Das Verkehrsaufkommen im Stadtverkehr hat deutlich zugenommen. Auf meiner Fahrt ins Centro I sehe ich viele neue und teure Autos. Der Verkehr fließt nur langsam und zäh voran. Bolivien ist etwa dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur 9 Mio. Einwohner. Es ist das ärmste Land Südamerikas. Da die Armut auf dem Land häufig noch größer ist als in den Städten, zieht es viele Menschen aus den ländlichen Regionen in die Stadt in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Die Städte können diese Menschenmassen aber nicht fassen und platzen daher aus allen Nähten. So kommt es, dass viele Menschen auf engstem Raum und unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. Sauberes Trinkwasser, Stromversorgung und Kanalisation sind meist nicht vorhanden. Dies begünstigt die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, insbesondere der Tuberkulose.Da das staatliche Gesundheitssystem seit jeher schlecht ausgebildet ist und die Sicherung durch soziale Leistungen nur einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung zugutekommt, wurden in Santa Cruz mit Spendengeldern des Kuratoriums und des BMZ (Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) 1982 und 1987 zwei Behandlungszentren für Tuberkulose-Kranke geschaffen.

Dr. med. R. Mütterlein

Santa Cruz
Die Stadt ist offensichtlich in den letzten Jahren weiter gewachsen und hat geschätzt etwa 2 Millionen Einwohner. Man spürt die Hektik und den Druck, der auf dieser Stadt lastet, an allen Orten, nichts ist mehr vergleichbar mit dem alten Santa Cruz von vor 25 Jahren. In der ganzen Stadt fallen vermehrt neue, große und teure Autos auf, auch in den Geschäften ist alles extrem teuer, auch wenn sämtliche Waren der westlichen Welt verfügbar sind. Dem Land scheint es demnach wirtschaftlich gut zu gehen, was nicht zuletzt auf den vermehrten Koka- bzw. Kokainhandel zurückzuführen ist. Außerdem hat der Präsident eine sehr rigide Steuerpolitik eingeführt, welche jeden, der Steuer hinterziehen möchte, mit hohen Strafen belegt.

Das Centrum I
Das Centro I ist baulich in einem guten Zustand, ein Reparaturstau zeigt sich hier nicht. Es wirkt sauber und gepflegt, alle technischen Einheiten funktionieren offensichtlich zufriedenstellend. Ich habe mit Frau Patiño über viele Stunden eine Inventur im Centro I durchgeführt und eine dementsprechende Liste angelegt. Diese Liste wird von Frau Patiño in ihrem Büro ausgehängt. 

Die Klimaanlage in der Patienten-Rezeption ist defekt, ein Aufenthalt in diesen Räumen bei hohen Temperaturen ist nahezu unzumutbar. Ich habe deshalb die Anschaffung einer neuen Klimaanlage für diesen Raum initiiert, sie sollte inzwischen eingebaut sein. Über das Außenwaschbecken sollte ein Dach errichtet werden, um dort auch bei starker Sonneneinstrahlung bzw. Regen arbeiten zu können. Die Ausführung wurde angeordnet. 

Das Centrum II
Das Centro II wirkt nach seinem Umbau deutlich solider und ansprechender als vorher und ist somit bereits optisch ein Blickfang. Auch die Außenanlage ist gepflegt und entspricht nun den äußeren Anforderungen an ein modernes Labor- Dienstleistungszentrum.

Am 12.11.2014 erfolgte die Bauabnahme. Die einzelnen Posten wurden durchgegangen und als sachgerecht durchgeführt abgehakt bzw. zur weiteren Besprechung offen gelassen.  Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Umbau des Labors sorgfältig und gut koordiniert durchgeführt wurde. Vor alle Fenster und Türen wurden nachträglich abschließbare Gitter angebracht, um das teure Inventar vor Einbruch und Diebstahl zu schützen. Diese Maßnahme erscheint mir äußerst sinnvoll. Bei meiner Abreise war das Labor gereinigt und einsatzbereit, der Umzug von Centro I ins Centro II sollte in der 47. KW erfolgen.

Das Personal
Das Personal der beiden Centren erschien mir gut motiviert ebenso wie gut weitergebildet. In einigen Einzelgesprächen konnte ich eine große Zufriedenheit und Loyalität mit dem Arbeitgeber Rotes Kreuz/Kuratorium feststellen, was sich ebenfalls positiv auf die Arbeitsleistung auswirkt. Besonders die gute Logistik und die Führung von Frau Patiño tragen dazu bei, dass die Mitarbeiterinnen trotz oft finanziell besserer Angebote anderer Arbeitgeber in großer Loyalität mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind und dort auch verbleiben. Es ist auch für die Zukunft zu erwarten, dass sich diese positive Arbeitseinstellung auf die Leistung der beiden Centren äußerst positiv auswirken wird.

MDR-TB:
Weiterhin verantwortlich für die Betreuung von MDR-Tb-Patienten ist Dr. Daniel Enzinas, welcher sein Büro und seinen Behandlungsraum im ersten Stock des Centro I hat. In mehreren persönlichen Gesprächen erklärte er die Probleme mit diesen Patienten auf dem Land mit der Forderung, dass zur Betreuung dieser Patienten viele andere Menschen mit eingebunden werden müssten (z.B. Bürgermeister, Arzt, Familie, Krankenschwester etc.). Die Betreuung muss gut organisiert sein und die Betroffenen müssten hinsichtlich ihrer Behandlung regelmäßig geschult werden. 

Offensichtlich kommt es bei der Behandlung von MDR-Patienten häufig heftigen unerwünschten Arzneinebenwirkungen. Trotz Vorliegen einer staatlichen Anordnung weigern sich die Krankenhäuser, diese Patienten zur Behandlung ihrer Nebenwirkungen aufzunehmen. Die Intensivstationen fordern zurzeit 250US$ pro Tag für solche Fälle, die jedoch kein Patient aufbringen kann. Im nationalen Programm zur Bekämpfung der Tuberkulose bzw. beim Management von MDR-Patienten herrschen weiterhin Neid und Machtkämpfe untereinander.

Am Rande:
Ich nahm wieder an einer Patientenversammlung der Patienten des Centrum I in den Räumen des Roten Kreuzes teil. Wiederum imponierte mir die Wärme und Zuwendung von Dr. Gonzales bezüglich seiner Patienten. 
Auch das kleine Direktorium des Roten Kreuzes lud mich zu einer Begrüßungs-veranstaltung ein, bei welcher einige gemeinsame Probleme zur Sprache kamen. 

Das Personal der Centren hat mich zu einem kleinen Begrüßungsabend mit Essen eingeladen. Vor meiner Abreise habe ich ebenfalls das Personal der beiden Centren sowie das Direktorium des Roten Kreuzes zu einem Abschiedsessen eingeladen. 

Zusammenfassung:
Meine Hauptaufgabe während des diesjährigen Besuches war die Remodulation bzw. –Organisation des Centrums II zu überblicken und organisatorisch noch zu vervollständigen. Der Umbau ist sehr gut gelungen.
Die Leitung der beiden Centren wird weiterhin von Frau Patiño in bewährter Weise durchgeführt. Vor allem ihre Personalpolitik trägt einen hohen Beitrag dazu bei, dass die Mitarbeiterinnen hochmotiviert und gut ausgebildet ihre Arbeit verrichten. Auch die Überwachung und Koordination der Umbauarbeiten im Centrum II erschienen mir von Frau Patiño professionell und korrekt durchgeführt, vor allem was die Unmengen von Schreibarbeiten betrifft. 

Für die geleistete Arbeit in Santa Cruz möchte ich mich bei allen Beteiligten ganz herzlich bedanken, zumal es nicht immer einfach ist, unter den Bedingungen dort eine derart hohe Qualität abzuliefern. Das Kuratorium sollte sich bewusst sein, dass hier bezüglich Diagnostik und Therapie hervorragendes geleistet wird.

About the author

Direktor der Lungenfachklinik Parsberg